Sven Halletz von Europas größter Anglerzeitschrift,
     Blinker, berichtete über unser Angelrevier:

ENTDECKUNG! Lachse vor Rügen


Trollingboote bis zur Größe
der "Balloo" können im na-
gelneuen Yachthafen Glowe
zu Wasser gelassen werden.
- Geländewagen mit Allrad-
Antrieb vorausgesetzt.

Fiiisch!!!" Schnell und geschmeidig wie Aal rutscht Christian Thiel vom Kapitänssitz und hechtet an die gequält quäkende Multirolle. Nur mühsam bekommt er die Rute, die sich unter dem Druck der wegrasenden Schnur abenteuerlich durchbiegt, aus der Halterung. Fieberhaft, aber planmäßig beginnt Christians Partner Michael Schuwirth damit, die anderen Ruten einzuholen. Ich übernehme das Steuer und versuche, die Balloo gegen die raue Welle aus Kurs zu halten. Nur ab und zu ist mir für Zehntelsekunden der Blick auf Christians rotgeschwitzten Nacken gestattet. Über den Verlauf des Drills bin ich trotzdem im Bilde: In schöner Regelmäßigkeit wechseln sich das Kurbelgeräusch beim Einholen der Schnur und das Knarren der Rollenbremse beim Wegschießen des Fisches ab. Erst nach langen Minuten werden die Phasen kürzer, in denen der Fisch Oberhand hat. Christian bekommt die Schnur herein. Dann taucht der orange-rote Slide Diver im Heckwasser der Balloo auf, kurz dahinter der muskulöse Körper eines starken Salmoniden.


    Landschaftlich reizvolles Trolling vor Rügen:
    Im Hintergrund die Stubbenkammer-Kreideküste
    mit der Victoriasicht und dem bekannten Königsstuhl.

Beifänge an Hornhecht und Dorsch versüssen die Wartezeit bis zum Lachs. Übrigends: Die Treppe von Lohme (im Hintergrund) ist die vielleicht längste Hafentreppe Deutschlands: 224 Stufen...


 Jetzt geht alles ganz schnell: Christian geht ein paar Schritte im Boot rückwärts, Michael keschert routiniert, dann liegt der "Silberbarren" im Boot. Die Spannung entlädt sich in einem Urschrei: "Lachs! Laaachs!!!" Zum Glück hört uns hier draußen niemand, sonst wäre der Seenotkreuzer gleich inklusive Nervenarzt angerückt. In der ganzen Zeit zuvor war jedoch kaum ein Wort gefallen. Niemand wollte zerreden, was gerade geschah. Denn wir fischten gezielt auf Lachs in deutschen Gewässern. Und was da letztlich ins Boot kam, war gleich ein silberblankes Exemplar von 15 Pfund. Um ehrlich zu sein: Wir fischten auf Lachs vor Rügen nicht ganz zufällig. Seit langem wissen die ansässigen Berufsfischer, dass sich hier vor der Nord- und Ostküste sowohl schwedische als auch polnische Lachse zum Fressen einfinden. Dr. Otto Rechlin, Leiter des Instituts für Ostseeforschung Rostock, bestätigt: "Zu DDR-Zeiten wurden jedes Jahr ganz beträchtliche Mengen Lachs als Beifang bei der Heringsfischerei angelandet." Wieviel genau, sei zwar nie erfasst worden, aber es "ging um einige Tonnen pro Jahr". In Spitzenjahren könnten es sogar "um 100 Tonnen gewesen sein", schätzt der Wissenschaftler. Er erinnere sich noch an Ausfahrten, bei denen jeder Netzzug auf Hering auch Lachse als Beifang gebracht habe. Manche dieser Fische waren markiert. Daher weiß Otto Rechlin ebenfalls, dass die überwiegende Zahl der Lachse vor Rügen aus Schweden stammte.

 

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